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... Die Frage selbst war ebenso gefordert wie jenes Etwas, doch war sie auch schon (vor)gegeben. 
Notwendig war allerdings, da jemand, irgend jemand, aber nicht alle Welt, dieses Etwas hervorbringt, 
irgend etwas, etwas Beliebiges, und es uns vor die Nase stellt, damit wir alle uns der Frage bewut 
werden. Auch war es ebenso notwendig, da jemand, irgend jemand oder vielleicht sogar alle Welt sich 
die Frage bereits gestellt hat, damit wir alle uns gleichsam die Nase platt drcken an diesem Etwas, ganz 
unversehens, und vor ihm stehen wie vor einer vollendeten Tatsache.
Nun stehen wir da: vor der Moderne als einer vollendeten Tatsache. Aber sie ist nicht deswegen 
vollendet, weil das Ready-made die Frage nach den notwendigen und hinreichenden Bedingungen der 
Kunst beantwortet. Dies war die Befrchtung Greenbergs, und sie erklrt seinen Widerstand. Wre sie 
gerechtfertigt, so mten wir alle sie teilen. Wir wten in diesem Falle, da etwas Beliebiges nur dann 
Kunst sein kann, wenn es auch tatschlich etwas Beliebiges ist. Und Duchamps Geste, die in gewisser 
Weise von Ad Reinhardt und Kosuth wiederholt worden ist, htte lediglich den fahlen Glanz einer Suche 
und einer Forderung, die sich endgltig als unfruchtbar erwiesen haben. Sie htte die groe Frage der 
Modernitt in der Weise beantwortet, wie sie der Modernismus gestellt hat, nmlich ontologisch. Am 
(vorweggenommenen) Endpunkt einer reductio ad absurdum des Greenbergschen Formalismus htte sie 
gezeigt - ebenso sichtbar wie einsichtig gemacht-, da das Wesen der Kunst etwas Beliebiges ist. Das 
Ready-made aber zeigt nichts, nicht einmal sich selbst, denn es will, da man auf es zeigt: Dies ist Kunst. 
Ohne das hinweisende Dies gibt es keine Kunst. Das Ready-made macht weder etwas sichtbar noch 
einsichtig, heute sowenig wie damals im Jahre 1917. Es belt uns vor ihm in unserer Blindheit. Wir, die 
Betrachter, welche die Bilder machen, sind und bleiben The Blind Man.1 Das Ready-made offenbart uns 
nicht, worin das Wesen der Kunst besteht, ebensowenig aber offenbart es uns, da es kein Wesen der 
Kunst gibt. Es berlt uns unserer Unwissenheit. Es klrt uns nicht auf ber die notwendigen und 
hinreichenden Bedingungen, unter denen ein beliebiger, ja ein absolut beliebiger Gegenstand als Kunst gilt. 
Es tut uns aber auch

1	The Blind Man ist eine kleine Zeitschrift, die 1917 von Mareel Duchamp, Henri-Pierre Roche und 
Beatrice Wood herausgegeben worden ist. Sie hat lediglich zwei Nummern erreicht (April und Mai), die 
iieh beide um die 1ndependent~ Show drehten, zu der Duchamp seine berhmte und ehrenrhnge 
Fontaine unter dem Pseudonym R. Mutt eingereicht hatte. Aufdem Umschlag der ersten Nummer befand 
sich eine Karikatur, die einen Blinden zeigte, der von einem Hund durch eine Gemldegalerie gefhrt 
wird. Inder zweiten Nummer war ein unsigniertes Editorial abgedruckt mit dem Titel The Richard Mutt 
Case~, welches fr die Wahl von Mr. Mutt Stellung bezog. (Vgl. Kapitel 2 in diesem Buch)

MACH, WAS DIR BELIEBT!  337


nicht kund, die Kunst sei frei von Bedingungen. Es lt uns mit unserem Nichtwissen und unserer 
Verantwortung allein. Wenn es uns etwas sagt, und es sagt uns zweifelsohne etwas, dann folgendes: 
Kunst gehrt weder in den Bereich des Sehens noch des Wissens, sie gehrt in den Bereich des Urteilens, 
sie gehrt nicht in die Ordnung des Beschreibenden, sondern in jene des Vorschreibenden. Konditional und 
immanent fehlinterpretiert schrieb die Moderne vor: In der Kunst kannst Du machen, was Dir beliebt, 
aber nur in der Kunst. Jawohl, in der Kunst gibt es eben nur Urteile. Machen heit urteilen und urteilen 
heit machen, und dieses Urteil beinhaltet eine Verpflichtung. Kunst machen heit urteilen, nicht darber, 
was als Kunst gelten kann, sondern was als Kunst gelten mu, nicht darber, was Kunst ist, sondern was 
Kunst sein soll. Das beste Urteil ist wie immer jenes des Laien, der angesichts des Ready-made ausruft: 
Man mu es blo machen! Und es ist gemacht worden. Das Ready-made gibt es, fixundfertig, 
ausgewhlt, beurteilt. Mene, Tekel, Upharsim. Doch was bleibt heute von ihm, da wir vor ihm als einer 
vollendeten Tatsache stehen? Was bleibt, wenn gegeben ist, da das Urteil bereits gefllt wurde? Der 
bedingungslose Imperativ: Man mu!
Das Gebot Mach irgend etwas, wenn nur  , die zweite Fehlinterpretation des Imperativs der Moderne, 
lt sich jetzt noch im Hinblick auf etwas Transzendentes interpretieren. In diesem Fall ist die Bedingung 
dafr, da etwas Kunst ist, der Kunst uerlich. Je nach Art und Struktur dieser Bedingung, je nach dem 
Realittsbereich, in dem sie ausschlaggebend ist, fhrt das Gebot zu regionalen Eigenheiten, bestimmbaren 
Stilen oder besonderen Theorien der Modernitt. Mach, was Dir beliebt, wenn es nur schn, wenn es nur 
gut gemacht, wenn es nur sinnvoll, wenn es nur ein Ausdruck Deiner selbst oder Deiner Zeit ist. Das sind 
schwache und konservative Spielarten der Moderne. Doch es gibt auch andere: Mach, was Dir beliebt, 
wenn es nur schockiert, wenn es nur enttuscht, wenn es nur unsinnig ist, wenn nur Dein Unbewutes 
oder jenes Deiner Zeit zum Ausdruck kommt, wenn es nur diffizil oder hermetisch, wenn es nur neu ist. 
Das sind starke und avantgardistische Spielarten der Modernitt. Jede dieser Spielarten hat ihre Glanzzeit 
erlebt, jede hat noch heute ihre Anhnger, alle aber befinden sich gegenwrtig in einer Krise, so als ob 
sie alle zusammen ihre entscheidende Phase und ihren kritischen Punkt erreicht htten. Dem Knstler 
prsentieren sich diese Spielarten als ein Angebot an verschiedenen Stilen, von denen keiner mehr derart zu 
berzeugen vermag, da er sich aufdrngen wrde. Dem Kunstkritiker wiederum prsentieren sie sich als 
eine Sammlung von Theorien, von denen jedoch keine mehr die ntige Kraft hat, einen Positionsbezug zu 
veranlassen.

340 MACH, WAS DIR BELIEBT!


... Gewi, Warhol verdient mehr als nur eine Untersuchung 
seiner Absichten. Und zudem war er gar kein Opportunist. 
Doch der Schatten seines Erfolgs fllt noch heute ber eine 
ganze Knstlergeneration, die sich weder so schizophren zu 
geben wei noch auf so hypersensible Weise unsensibel ist 
wie er, und die an der funktionalen Rolle, welche ihr der sein 
Gesetz kontinuierlich verfestigende Markt zuweist, bald leidet, 
bald Gefallen findet. Was Warhol als cool desire 
bezeichnet hat (1 want to be a machine), ist zur 
pathetischen Realitt geworden. Diese Realitt, die sowohl das 
hysterische Leiden eines Schnabel bewirkt wie das perverse 
Wonnegefhl eines Salle, ist leicht zu interpretieren. Sie 
interpretiert sich sogar selbst bis zum berdru in jenen 
Zeitschriften, in denen sich der Glamour der Kunstwelt im 
Vierfarbendruck zur Schau stellt. Nichts Spektakulres mehr 
bieten die Knstler den Liebhabern; der ganze Kunstmarkt 
inszeniert sich fr sich selbst als Spektakel. Was sich dagegen 
nicht selbst interpretiert, ist das Pathos dieser Realitt; es 
drckt sich aus, das ist alles. Vielleicht kann seinetwegen dem 
Wiederauftauchen des Expressionismus ein symptomatischer 
Sinn verliehen und sein zwanghafter Charakter daraus erklrt 
werden; selbst aber hat dieses Pathos keinen Sinn. Soweit es 
zum Ausdruck kommt, ist es das Empfinden des Gesetzes, 
das Empfinden, dem Marktgesetz, dem allgemeinen 
Tauschgesetz und dessen Rache ausgeliefert zu sein. Es ist 
aber auch, soweit es als Imperativ auftritt, das Empfinden 
oder das Ahnen eines andern Gestzes, der notwendige Anruf 
einer andern Allgemeinheit sowie die Mahnung, da wir noch 
immer, trotz all der Wnsche nach Postmodernismus, unter 
der Notwendigkeit des Imperativs der Moderne stehen: 
Mach, was Dir beliebt. Punkt. Ohne jegliche Bedingungen. 
Mach, was immer Dir beliebt. Dies war der Imperativ des 
Ready-made, und das Ready-made ist nicht die Brillo Box. 
Von der Pop- und der Minimal Art stammt nmlich die 
letzte der einander ablsenden Rezeptionen des Dadaismus ab, 
jene, aus der die konzeptuelle Kunst hervorging und 
deretwegen diese sich in eine Sackgasse manverierte, jene, 
die heute als Warengesetz wiederkommt, um Rache zu ben. 
Sie ist einerseits durch die Gestalt Warhols und andererseits 
durch das Wiederaufleben des Expressionismus, diesen 
Beinahe-Zeitgenossen Dadas, berdeterminiert. Was bleibt 
von ihr heute? Eine schwache und liberale Version von 
Mach, was Dir beliebt, wenn nur, das Phantom einer 
Utopie, an das einige naiv ihre letzten Hoffnungen klammern 
und das sie Pluralismus nennen. Doch es bleibt auch eine 
starke und beinahe faschistische Version von Mach, was Dir 
beliebt, wenn nur, welcher sich manche - wieder andere, 
aber nicht durchwegs - verschrieben haben und die man 
Simulation nennen kann; in Wirklichkeit aber heit diese 
Zynismus,

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Hoffnungslosigkeit und Verantwortungslosigkeit. beraus viel bleibt also, denn auch diese beiden Versionen, 
die schwache und die starke, umfassen fast das ganze knstlerische Milieu. Aber weil beide falsch und 
ungerecht sind, bleibt von ihnen nichts. Der Zynismus ist ungerecht, da er sich immer auf die Seite der 
Macht stellt. Er ist zwar nicht falsch, er sagt einfach, der Strkere habe immer recht. Die 
Verantwortungslosigkeit ist ungerecht, denn sie lehnt es ab zu urteilen. Und die Hoffnungslosigkeit ist echt, 
doch ist es ungerecht zu verlangen, da alle Hoffnung verschwinden soll. Was den Pluralismus anbetrifft, 
so ist er nicht ungerecht, aber falsch. Er ist grozgig, und er birgt noch Hoffnung. Er verteidigt 
Freiheiten, jene illusorischen jedoch, die zu etwas ermchtigen, also relative und relativistische Freiheiten, 
die man sich heraus-nimmt, wenn alles erlaubt ist. Alles aber ist nicht erlaubt. Vielleicht wre dies zwar 
gerecht, doch ist es nicht wahr. Wahr ist, da alles erlaubt sein mu. Die Freiheiten sind relativ, aber die 
Freiheit mu absolut sein. Das Ready-made ist pluralistisch - es gibt viele davon -, doch mu es das 
Allgemeine aufzeigen. Etwas Beliebiges ist nie beliebig, es mu aber danach streben, unbedingt. Und das 
Gebot Mach, was Dir beliebt! ist niemals frei von Bedingungen, doch mu es dies sein. Der 
Allgemeinheit des Tauschs, dem Gesetz der Realitt, mu das stumme und unverstndliche Gesetz der 
Notwendigkeit gegenbergestellt werden, welches auch die Notwendigkeit des Gesetzes ausmacht. Der 
Imperativ Mach, was Dir beliebt! ist ein kategorischer Imperativ.

Hier, an der Grenze zum kategorischen Imperativ, wollen wir in der Interpretation des Beliebigen einen 
Augenblick innehalten. Aus der Profanierung des Ready-made hatte ich die Berechtigung abgeleitet, 
dieses fr etwas Beliebiges zu halten. Nichts aber berechtigte mich dazu, es fr etwas absolut Beliebiges 
zu nehmen. Nichts berechtigte mich, alles aber verpflichtete mich, und alles verpflichtet uns noch immer 
dazu. Und ich sezte sogar hinzu, da diese Verpflichtung die Forderung des Ganzen ist, doch nicht des 
Ganzen im hegelschen Sinne. Wohlverstanden, es geht um die Allgemeinheit des Gesetzes, und da wir es 
hier mit Kunst zu tun haben, um die Allgemeinheit der Kunst. In der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten 
gibt Kant mehrere Formulierungen des kategorischen Imperativs; die erste lautet: Denn da der Imperativ 
auer dem Gesetze nur die Notwendigkeit der Maxime enthlt, diesem Gesetze gem zu sein, das 
Gesetz aber keine Bedingung enthlt, auf die es eingeschrnkt war, so bleibt nichts, als die Allgemeinheit 
eines Gesetzes berhaupt brig, welchem die Maxime der Handlung gem sein soll, und welche 
Gemheit allein den Imperativ eigentlich als notwendig vorstellt.
aus Thierry de Duve: Kant nach Duchamp Der

... Der hfliche Minnesnger tritt auf mit dem Anspruch, ein  neues Lied  zu singen; die Autoren der 
franzsischen Tragikomdie erklren, einem Bedrfl~is des Publikums nach nonveante nachzukommen11. In 
beiden Fllen handelt es sieh um etwas anderes als um den Neuheitsanspruch der modernen Kunst. Bei 
dem  neuen Lied  des hfl-sehen Dichters ist nicht nur die Thematik (Minne), sondern auch eine Flle 
von Einzelmotiven vorgegeben; Neuheit heit hier Variation innerhalb sehr enger, festgelegter Grenzen 
einer Gattung. In der franzsischen Tragikomo die ist zwar die Thematik nicht festgelegt, wohl aber ein 
Verlaufsschema, das den pltzlichen Umschwung der Handlung (Beispiel: der Totgeglaubte erweist sich als 
scheintot) zum Gattungsmerkmal macht. In der Tragikomdie, die dem nahekommt, was man spter 
Unterhaltungsliteratur nennt, wird dem Verlangen des Publikums nach schockhnlichen Effekten (siirprise) 
bereits auf der Ebene des Strukturschemas der Gattung entsprochen; Neuheit wird als Effekt kalkuliert 
und eingesetzt. Schlielich ware noch ein dritter Typus von Neuheit zu nennen, den die russischen 
Formalisten bekanntlich zum Entwicklungsgesetz der Literatur erheben wollten: die En~euerung der 
literarischen Verfahrensweisen innerhalb einer gegebenen literarischen Reihe. Die  automaflsierte~, d. h. als 
Form nicht mehr wahrgenommene Verfahrensweise,  die eben darum auch keine neuartige Sicht der 
Wirklichkeit mehr vermittelt, wird durch eine neue ersetzt, die dies zu leisten vermag, bis diese selbst 
automatisiert ist und ersetzt werden mu52.
In allen drei Fllen unterscheidet sich das mit dem Begriff Neuheit Bezeichnete grundlegend von dem, was bei 
Adorno der Begriff zur Charaktensierung der Moderne meint Hier nmlich geht es weder um Variation 
innerhalb engster Gattungigrenzen (Beispiel:  das neue Lied~), noch um ein berraschungseffekte 
garantierendes Gattungsschema (Beispiel: Tragikomo die), noch um die Erneuerung von Verfahrensweisen 
snnerhalb einer literarischen Reihe; es geht nicht um Fortentwicklung, ion dern um Durchbrechen einer 
Tradition. Was die Kategorie des Neuen in der Moderne von frheren, durchaus  legitimen,  Anwendungen  
derselben  Kategorie unterscheidet, ist die Radikalitt des Bruchs mit dem bisher Geltenden...
aus. Peter Brger , Theorie der Avantgarde

Und nun noch einige herzerwrmende Stze von K. Malewitsch
Der Begriff Neue Kunstist inzwischen etwas verschwommen und zunallgemein geworden . Aus diesem 
Grunde habe ich fr das ideen und gegenstandslose Schaffen die Bezeichnung Suprematismus gewhlt. 
Suprematismus als gegenstandlose Welt oder das befreite Nichts. Ich ging dabei von dem Gedanken aus, da alles als Nichts da war, bis sich der Mensch mit all 
seinen Vorstellungen , seinen Versuchen , die Welt zu erkennen, einschaltete. Damit schuf er ein Leben unter der stndigen Frage nach dem Was. Der 
Suprematismus befreit den Menschen von dieser Frage, fr deren Beantwortung er seine ganze Kraft einsetzt...
aus: K. Malewitsch, Suprematismus
